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Kurzbeschreibung: Eine archäologische Expedition in Ägypten entdeckt das verschollene Grab von Echnaton. Doch mit der Öffnung der Grabkammer entfesseln sie eine uralte Bedrohung. Die Aton-Sekte plant ein Ritual, um den vergessenen Sonnengott zurückzubringen. Während die Natur aus dem Gleichgewicht gerät, mysteriöse Todesfälle geschehen und eine Seuche ausbricht, bleibt den Forschern nur wenig Zeit. Sie müssen die Artefakte alter Götter wiederfinden, um Atons Macht zu brechen, bevor die Menschheit im Chaos versinkt. (Quelle: Autorenwebsite)
Rezension
Handlung und Prolog: Remo Doras Debütroman „Die Schatten von Amarna“ ist ein außergewöhnlicher Genre-Mix, der die Grenzen zwischen historischem Thriller, modernem Abenteuer und mythologischem Horror überschreitet. Die Geschichte beginnt im Jahr 1334 v. Chr. mit der Einbalsamierung des Pharaos Echnaton durch den Balsamierer Amon. Dieser Prolog legt den Grundstein für ein Jahrtausende altes Geheimnis um das „allwissende Kraut“ und die riskante Kommunikation mit dem Sonnengott Aton.
In der Gegenwart begleiten wir John, einen ehemaligen Archäologie-Studenten, der in einem öden Bürojob feststeckt und seine Wochenenden auf Death-Metal-Festivals verbringt, um der Leere seines Alltags zu entfliehen. Als er sich dank der Hilfe seines Freundes Daniel der Archäologe ist, einer Ausgrabung in Ägypten anschließt, verwandelt sich die wissenschaftliche Expedition schnell in einen Überlebenskampf gegen einen fanatischen Aton-Kult und übernatürliche Plagen.
Themen und Charaktere: Der Protagonist John ist eine vielschichtige Figur. Geplagt von Selbstzweifeln und einer überwundenen Suchtvergangenheit, findet er ausgerechnet in der brachialen Energie des Death Metal und der archäologischen Arbeit seine Bestimmung. Johns Wunsch nach einem bedeutungsvolleren Leben jenseits des Büros fängt der Autor authentisch und nahbar ein. Die Dynamik innerhalb der Forschungsgruppe bestehend aus dem passionierten Daniel, der nicht einfach nur ein Wissenschaftler ist, sondern ein Spezialist für die Amarna-Zeit; er ist davon überzeugt, dass die Geschichte von Echnaton (Amenhotep IV.) noch nicht vollständig erzählt ist. Sowie die mutige Kim und der exzentrische amerikanische Musiker Earl Flanders. Sie alle verleihen der Geschichte eine menschliche Tiefe.
Besonders interessant ist die Darstellung des Antagonisten Abdelazim und seines Kults, die in der Abgeschiedenheit von Al-Amarnah versuchen, die Herrschaft des Gottes Aton wiederherzustellen. Die Parallelen zwischen den antiken Riten und der modernen Handlung werden geschickt durch Prophezeiungen und magische Artefakte wie eine Straußenfeder der Maat oder heiliges Nilwasser verknüpft.
Stil und Atmosphäre: Dora gelingt es, eine dichte, oft düstere Atmosphäre zu schaffen. Die Beschreibungen der antiken Mumifizierung sind detailreich und fast spürbar, während die Szenen in der Wüste die unbarmherzige Hitze und die Bedrohung durch Sandstürme oder Seuchen eindringlich vermitteln. Ein spezielles Element ist die Integration der Death-Metal-Subkultur, die nicht nur als Hintergrund dient, sondern in den rituellen Momenten des Romans eine zentrale, fast magische Rolle spielt. Viele Ereignisse sind detailreich beschrieben in einem lockeren Erzählstil, der den Leser unmittelbar in das Geschehen zieht sei es durch die beklemmende, fast greifbare Atmosphäre in den düsteren Gängen eines ägyptischen Gefängnisses oder durch die harten, energiegeladenen Klänge des Death Metal, die als emotionales Ventil für die Protagonisten dienen. Alltägliche Momente werden mit archäologischer Spannung verknüpft.
Die lockere Komponente zeigt sich besonders in den Dialogen und der Leidenschaft der Freunde John und Daniel für extreme Musik, die als moderner Kontrast zur antiken Kulisse fungiert.
Der Roman "Die Schatten von Amarna" endet mit einem dramatischen mythologischen Showdown. Ein Kampf im Jenseits, doch wer gewinnt ihn das wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
Fazit: „Die Schatten von Amarna“ ist kein klassischer Ägypten-Krimi. Es ist ein rasanter, oft blutiger Abenteuertrip, der geschickt historische Fakten mit fiktiver Mythologie und einer modernen Außenseiter-Geschichte verbindet. Für Leser, die Lust auf eine unverbrauchte Mischung aus Indiana Jones, Lovecraft’schem Horror und harten Metal-Rhythmen haben, ist dieses Buch eine sehr gute Empfehlung.
Hinweise:
- Der Autor Remo Dora ist selbst aktiver Musiker in mehreren Death-Metal-Bands, was die Authentizität dieser Aspekte im Buch erklärt.
- Den Roman gibt es als gedrucktes Buch und als eBook. Meine Rezension bezieht sich auf die digitale Version.
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